Wetten im laufenden Ereignis sind technisch der anspruchsvollste Teil eines Sportsbooks. Die Quoten werden hier fortlaufend neu berechnet, und über die Annahme einer Wette wird in Sekundenbruchteilen entschieden. Die eigentliche Schwierigkeit liegt nicht in der Oberfläche, sondern darin, dass der Betreiber das Ereignis stets mit Verzögerung gegenüber dem sieht, was am Austragungsort bereits passiert ist.
Die Datenkette und ihre Verzögerungen
Zwischen dem Geschehen auf dem Platz und dem Bildschirm des Spielers stehen mehrere Glieder: Erfassung des Ereignisses vor Ort, Übertragung in das System des Datenlieferanten, Normalisierung, Neuberechnung der Quoten durch die Handelsplattform, Auslieferung an den Client. Jedes Glied fügt seine eigene Verzögerung hinzu, die Gesamtlücke ist deren Summe. Ein eigenes Problem ist der Stream: Er läuft in der Regel mit einem eigenen Rückstand, der mit der Datenverzögerung nicht übereinstimmt.
Wie der Betreiber die Lücke ausgleicht
Die Verzögerung lässt sich nicht vollständig beseitigen, deshalb wird das Risiko prozedural begrenzt:
- Annahmeverzögerung — die Wette wird nicht sofort, sondern nach einer kurzen Pause bestätigt;
- Aussetzen der Märkte in gefährlichen Spielszenen und bei Signalverlust;
- Abgleich der Quellen — eine Abweichung zwischen den Feeds sperrt den Handel auf das Ereignis;
- reduzierte Limits auf Märkten mit hoher Geschwindigkeit der Preisänderung.
Was das von der Plattform verlangt
Die Last verteilt sich äußerst ungleichmäßig: Anfragespitzen fallen auf die Schlüsselmomente der Partie, wenn gleichzeitig der gesamte Marktbaum neu bepreist wird. Die Wettannahme muss idempotent sein, sonst erzeugt ein erneutes Senden bei Abbruch der Mobilverbindung ein Duplikat; eine Ablehnung wiederum muss einen verständlichen Grund zurückgeben und keinen allgemeinen Fehler.
Die Qualität des Live-Angebots bestimmt sich damit über technische Kennzahlen — Stabilität der Feeds und Vorhersagbarkeit der Latenzen — und nicht über die Breite des Wettangebots.
